Защитим бездомных кошек!

Arme Hunde Aus Neapel

Streunende Hunde Europas

625 Hunde warten unter Italiens brütendheißer Sonne, bis ein Mensch sie aus dieser Tristesse herausholt. Immer mehr Hunde werden im Tierheim „Rifugio del Cane San Francesco“ in Castell Volturno bei Neapel abgegeben. BRAVO war in diesem Tierheim und begleitete den Transport von 40 munteren Mischlingen nach Deutschland, die nun einen liebevollen Platz brauchen. Wir steilen hier einige dieser Vierbeiner vor...

Sobald man ihnen ein paar liebe Worte sagt, pressen sie ihre Schnauzen ans Gitter

Verzweifelte, traurige, bittende Hundeaugen sahen uns an. Sie legten die Pfoten an unsere Beine, stupsten mit der Schnauze, so als wollten sie betteln, „nehmt mich doch bitte mit. Laßt mich nicht hier“. 40 Tiere konnten wir nur mitnehmen und 625 gab es! Es war eine Entscheidung zwischen einem neuen Platz in Deutschland und einem weiteren Vor-sich-Dahinvegetieren ohne Zukunftsaussichten.

Wir sind im Tierheim „Rifugio del Cane San Francesco“ in Castell Volturno, etwa 30 Kilometer von Neapel entfernt. Eine lange, schmale Kiesstraße führt von der Hauptstraße zum Tierasyl. Unzählige Katzen springen über Zaun und Baum, suchen Schutz vor der brütenden Hitze. Liebevoll aufgereihte Schälchen voll Wasser stehen vor dem Tierheim-Tor.

Das Tierheim selbst liegt auf einem 7.000 Quadratmeter großen Grundstück, hübsch bepflanzt, mit unzähligen länglichen Zwingeranlagen, großzügigen Freiläufen. Vor den Boxen, an langen Ketten, überwiegend die Ärmsten der Armen: verkrüppelte Pfoten, blind, drei beinig — und unwahrscheinlich liebebedürftig. Tierheimleiterin und Präsidentin Anna Cappa, Mathematiktehrerin von Beruf, ist oft dem Verzweifelnnahe, weil kein Ende abzusehen ist.

Erst vor ein paar Tagen wurde sie wieder mit der Brutalität der härtesten Art konfrontiert.

Ein Tierheim für obdachlose Hunde in Italien – was wird mit ihnen geschehen?

Schutzwall um verletzte Schäferhündin

Anna Cappa: „Es war später Nachmittag, als es stürmisch am Tor läutete. Kinder waren draußen und sehr aufgeregt Ich solle sofort mitkommen, sagten sie. Ich lief mit ihnen zur Hauptstraße, wo zwei junge Mädchen praktisch einen Schutzwall um einen am Boden liegenden, stark blutenden Hund bildeten. Sie getrauten sich wohl nicht, ihn anzufassen, hatten aber Angst, daß Autos rücksichtslos über ihn hinwegfahren würden. Es war eine junge Schäferhündin, die ich spontan Anja taufte. Anja war schrecklich zugerichtet, lag regungslos am Boden. Vermutlich ist sie aus Angst vor furchtbaren Schlägen in Panik auf die Straße gerannt und dabei überfahren worden. Ihre beiden Vorderläufe waren am schlimmsten verletzt. Ich hob Anja behutsam auf und trug sie in mein Tierheim. Unser Tierarzt konnte erst am Abend kommen und erste Hilfe leisten. Später stellte sich heraus, daß Anjas beide Vorderpfoten gebrochen waren. Doch für eine so komplizierte Operation fehlt uns einfach das Geld.“

Anja ist übrigens bei unserem Deutschland-Transport mit dabei gewesen. Wir haben sie im BRAVO-PKW nach hinten verfrachtet, wo sie, mit Beruhigungs-Pillen versorgt, tief und fest die lange, 16-stündige Reise verschlief. Noch in dieser Woche wird sie von einem Tierarzt in Niederbayern, der sich auf diese Operationen spezialisiert hat, operiert.

Doch Anjas Vorfall scheint kein Einzelfall zu sein. „Das Gefühl vieler Südländer gegenüber den Tieren ist nicht ideal“, klagt Brigitte Schreit, ehrenamtliche Helferin im Tierheim. Seit 20 Jahren lebt die gebürtige Deutsche in Rom, fährt in der Woche x- Mal ins Tierheim, hilft mit und unterstützt die Sache auch finanziell. Ihr Mann ist Biologie-Professor und ebenso tierlieb wie sie. Bei ihren Besuchen im Tierheim führt ihr erster Weg immerzu Elsa, ihrem Liebling. Elsa ist eine bildhübsche weiße Abruzzen-Schäferhündin, die sie einen Monat lang in ihrem Haus in Rom pflegte.

Brigitte Schreit: „Hochschwanger irrte Elsa tagelang durch unsere Gärten. Mein Mann lockte sie mit Fressen und Wasser. Doch sie war so scheu, daß sie sich nicht an fassen ließ. Bis eines Tages ein kleiner Junge zu uns gelaufen kam, der mitgekriegt hatte, daß wir uns um Elsa kümmerten, und aufgeregt erzählte, daß man Elsa mit Eisenstangen erschlagen will. So lockte mein Mann mit einer besonderen Ration Fressen Elsa in unseren Garten, wo sie schließlich auch blieb. Einen ganzen Monat lang. Doch unsere beiden eigenen Findlinge waren sehr eifersüchtig, und das legte sich auch nicht. So gaben wir Elsa schweren Herzens ins Tierheim, wo sie kurz darauf acht Babys bekam. Alle waren sie tot. Vermutlich hatte Elsa zu Beginn ihrer Schwangerschaft sehr viel hungern müssen. Ich bin sehr glücklich, daß auch Elsa mit dem Transport nach Deutschland kommt, und ich hoffe sehr, daß sie einen besonders guten Platz bekommt Denn sie ist so lieb und zart und anhänglich. Sie hätte es so verdient.“

Sechs ehrenamtliche Helfer und drei feste Mitarbeiter halten das gigantische Tierheim in Schuß. Anna Cappa bekommt von der Gemeinde keine müde Lira an Unterstützung. Sie finanziert die ganze Angelegenheit mit Privatspenden. Im Grunde ist ihr Tierheim ein Faß ohne Boden. Erbarmt sich wirklich mal eine italienische Familie und holt sich einen putzigen Mischling, steht garantiert ein paar Stunden später ein Karton mit Welpen vor dem Tierheim-Tor, weil es irgend so ein „Bastard“ gewagt hat, sich mit einem Rassehund zu paaren. Und so ein Mischmasch an Hund will man in der feinen Gesellschaft nicht haben. Und das ist die andere Seite:

Eine Zoohandlung, nur ein paar hundert Meter vom Tierheim entfernt Zwei süße Welpen schlummern in einer Box. Ein reinrassiger Schäferhund- und ein Dobermann-Welpe. Geliefert von einem Tierhändler aus Niederbayern, ausgegeben mit ungarischen Papieren! Der Preis für einen Welpen: 1.300 Mark. Nun, für einen Rassehund fürs Prestige scheinen die Lire locker zu sitzen.

Viel Elend und Leid bringt für Anna Cappa immer wieder die Fahrt nach Neapel zur Tötungsstation. Hier hott sie die Tiere heraus, um sie vor dem Tod zu bewahren.

Kein Herz für Bastarde

Wie nun kann diesem Tierheim geholfen werden?

Anna Cappa: „Wir schläfern grundsätzlich nicht ein, aber wir wären schon froh, wenn Touristen zu mir kämen und sich für ein Tier entscheiden würden. Liebevollere und dankbarere Hunde kann man sich kaum vorstellen.“

In der Tat. Wir haben selten so zauberhafte, liebe und sanfte Hunde gesehen wie hier. Vielleicht Hegt es daran, daß sie durchwegs alle ein schlimmes Schicksal hinter sich haben und nie verwöhnt wurden.

Ab und zu kommt auch einedeutsche Tierärztin vorbei und kastriert und sterilisiert kostenlos. Immerhin. Nur die Medikamente müssen beglichen werden.

40 Hunde haben wir nach Deutschland mitgenommen. Kurz vor unserer Abreise haben sie kleine Fleischbällchen mit Beruhigungspillen bekommen, damit die lange Fahrt ohne Probleme verläuft.

Alle Tiere wurden an zwei Tierheime verteilt: An das Tierheim Costa in Niederbayern und das Tierheim Albert Schweitzer in Kranenburg-Mehr bei Kleve (Adresse siehe Kasten).

Die Rassen: Pinscher-Boumer-Pudel-Schnauzer-Beagle-Abruzzen-Mischlinge. Alle sind sie geimpft, sehr jung, überwiegend klein und sehr, sehr lieb.

Eine Bitte an unsere Leser: Bitte ruft nur an, wenn Ihr mit den Eltern geklärt habt, daß Ihr einen Hund nehmen dürft. Denn der Weg in Euer Haus sollte wirklich der letzte Transport für diese gequälten Tiere sein.

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